Wo sind unsere Wurzeln ?


Zürcher Untertanen Verfolgungen... ...und Armut Fluchtziele: Die Pfalz...
Chronik 1300 - 1699 Chronik 1700 - 1899 Quellenverzeichniss

Kleine Strickler-Saga

Ein Versuch, die Spuren unserer Vorfahren aufzuspüren.
Dieser Bericht wird von Zeit zu Zeit (jeweils auf das nächste Update der Homepage) je nach dem Stand unserer Kenntnisse ergänzt und/oder berichtigt.

Woher stammen die Strickler?
Der Ursprung des heute in vielen Ländern vorkommenden Namens scheint im Raume Wädenswil/Richterswil im heutigen Kanton Zürich (Schweiz) zu sein. Bis heute konnten wir jeden falls noch keine andere Stämme des Familiennamens finden, welche nicht auf diesen Ursprung zurückzuführen wären.
Der Name Strickler leitet sich ab vom Flurnamen "am Strick". Das Das Wort "Strick" (auch "Strich") bedeutet ein langgezogenes Wegstueck oder einen gerade verlaufenden Pfad. Gemeint ist damit der Weg, der von Wädenswil den Berg hinauf bis nach Einsiedeln führt.
Die Gegend, in welcher der Name erstmals „auftauchte", gehörte damals zur Herrschaft Wädenswil. Allerdings wohnten die Strickler nicht im Hauptort, sondern „auf dem Berg", das heisst in der hügeligen Gegend der Moränenlandschaft westlich des Zürichsees. Heute befindet sich dort die Ortschaft Samstagern. Die Bewohner des dünn besiedelten Gebietes waren alemannischer Abstammung und gehörten von 1287 bis 1549 zur Komturei Wädenswil, welche vom Johanniterorden in der alten Burg Wädenswil verwaltet wurde.
Der Familienname breitete sich vorerst lediglich in der unmittelbaren Umgebung (heutige Gebiete von Hütten, Schönenberg, Hirzel) aus. Auffallend ist, dass sich das Verbreitungsgebiet für einige Jahrhundert in den Hügeln hart an der Grenze der Herrschaft bewegte. Ob sich diese wohl freiheitsliebenden Menschen möglichst weit weg vom Sitz der regierenden „Herren" halten wollten?- Vorwiegend waren die damaligen Strickler vermutlich Bauern und Handwerker.

Zürcher Untertanen
1549 verkaufte der Johanniterorden die Komturei an den Stadtstaat Zürich. Die Bewohner musster daher als Untertanen den reformierten Glauben annehmen, der die einzige und offizielle Religion in Zürich (wo Zwingli die Reformation durchgesetzt hatte) war. Im Süden und Westen grenzte die Landvogtei Wädenswil jedoch unmittelbar an das Gebiet der katholischen Orte Zug und Schwyz, sodass auch nach den beiden Religionskriegen von 1529 und 1531 (Kappeler Kriege) nach wie vor grosse Spannungen entlang der Grenze herrschten.
Die Reformation hatte zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Priestern zwar die langersehnte Befreiung vom Zölibat gebracht; für die Bevölkerung aber blieb vieles beim alten: Die Macht in den Gemeinden übten nun die reformierten Pfarrer aus, welche für die zürcherische Obrigkeit auch gleich die Bevölkerung unter Kontrolle hielten. So waren sie für die Zählung und Registrierung der Bevölkerung zuständig; der sonntägliche Gottesdienst (zu dem alle zu erscheinen hatten) diente zudem als öffentliches Publikationsorgan.


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Verfolgungen...
Für einzelne Christen ging die Reformation jedoch zu wenig weit. Sie interpretierten die nun offiziell in die deutsche Sprache übersetzte Bibel anders. Sie lehnten die Kindestaufe als grossen Irrtum ab und erachteten die Taufe erst nach der freien Entscheidung des Täuflings (also des mündigen, über das Evangelium unterrichteten Erwachsenen) als richtig. Man nannte sie daher die Täufer (oder Wiedertäufer). Da die Täufer zudem vom Besuch des Gottesdienstes der reformierten Pfarrer abrieten und Gehorsam letztendlich nur Gott gegenüber gelobten, erachtete die weltliche und kirchliche Obrigkeit die Täufer als grosse Gefahr. Sie wurden hartnäckig verfolgt und zu „bekehren" versucht. Täufer, welche ihrem „Irrglauben" nicht abschwörten, wurden in Zürich eingekerkert; die Täuferprediger wurden in der Limmat ertränkt. Die Täufer versuchten sich daher so gut wie möglich zu verstecken. Dabei war die hügelige Gegend oberhalb des Zürichsees eines der Rückzugsgebiete der Verfolgten. „Zu Ende des Jahres 1639 übernahm die aus Zürcher Ratsmitgliedern gebildete Täuferkommission die Führung der Täufergeschäfte und strebte sogleich eine radikale Lösung an. Am 5. Dezember 1639 beschloss die Kommission, alle Täufergüter zu konfiszieren und Jagd auf alle Täufer zu machen, welche noch nicht im Gefängnis sassen" (Hans Ulrich Pfister: Die Auswanderung aus dem Knonaueramt 1648-1750). Dies hatte zur Folge, dass die Täufer auszuwandern suchten.

...und Armut
Doch auch Nicht-Täufer waren im 17. und 18. Jahrhundert vermehrt gezwungen, auszuwandern. „Nach den letzten grossen Pestepidemien von 1611, 1629 und in geringerem Ausmass noch einmal 1635 setzte ein stetiges Bevölkerungswachstum ein, das zu einem starken Bevölkerungsdruck führte und erst um das Jahr 1690 abrupt gestoppt wurde. In den Jahren 1691 bis 1693 erlebte der Kanton Zürich die grösste Hungersnot der neueren Geschichte. Krisen in den verschiedensten Bereichen traten gleichzeitig auf und trafen mit geballter Wirkung die teilweise auf dem Existenzminimum lebende Bevölkerung" (Hans Ulrich Pfister: Die Auswanderung aus dem Knonauer Amt 1648-1750).

Fluchtziele: Die Pfalz...
Viele Zürcher Flüchtlinge wanderten in die Pfalz (in der heutigen Bundesrepublik Deutschland), das heisst in die Gebiete links und rechts des Rheins in der Umgebung von Heidelberg, im Kraichgau und in der Gegend von Neustadt an der Weinstrasse aus. Nach dem Dreissigjährigen Krieg wollte Kurfürst Karl Ludwig die Einwohnerzahl seines Landes möglichst rasch steigern. Er lud deshalb auch Fremde zur Niederlassung in seinem Land ein. Verwicklungen der Pfalz in die Kriege mit Frankreich, Schlachten des Holländischen Krieges und Verwüstungen der Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg hinterliessen danach wiederum ihre Spuren. Zitieren wir nochmals Hans Ulrich Pfister in seinem Buch über die Auswanderung aus dem Knonauer Amt: „Durch eine starke Auswanderung und durch den Tod vieler Bürger während des Pfälzischen Erbfolgekrieges erlitt die Pfalz grosse Menschenverluste, die sich beim neuerlichen Wiederaufbau bemerkbar machten. Die Beseitigung der Zerstörungen war wieder nur mit einem grossen Arbeitsaufwand zu bewerkstelligen, wozu erneut fremde Arbeitskräfte beigezogen werden mussten".

Fortsetzung folgt...


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Chronik von 1300 bis 1699

1384 Der Name Strickler wird zum erstenmal erwähnt (5-10)
1391Eine Urkunde des Johanniterhauses Wädenswil schreibt von einem "Wernli an dem Strik".(1-49)
1391 Wernli an dem Strick und seine Frau Anna besassen ein Gut in Fridhübsch, das unter anderem an die Allmend und "an ein anderes Gut in Fridhübsch" angrenzte. Dieser Erblehenhof war dem Johanniterhaus Wädenswil zinspflichtig. (1-72)
1470 Im Zürcher Steuerbuch finden sich die Namen "Junghanns am Strick", "Althanns am Strick" und "Rudy am Strick". (1-49)
1470 Wird "Heinin am Strick", Sohn von "Althanns am Strick", als Wirt genannt.(1-49)
1515 Aus den Reisrödeln: an der Schlacht von Marignano nahmen 46 Richterswiler teil, davon 6 Strickler (4a-35)
1520 Fischereistreit am Hüttnersee mit Johanniterkomptur Johannes von Hattstein. Erwähnt werden Ruedi Strickler im Feldmoos und Hans Strickler auf Unter Laubegg. (3-64)
1530 In einem Schuldbrief: Rudolf Strickler, am Strick im Richtischwyler Berg sesshaft. Dessen Haus war eine Wirtschaft. (1-49)
1530 Als nach der Reformation viele Wirtschaften geschlossen werden mussten, durfte "in Rudy Stricklers hus" weiter gewirtet werden. (1-49)
1530 Aus einer Urkunde: Hans Stricklers "Fridhübsch" grenzt auch an den "Strick" (1-72)
1564 Allmendrodel: "Rudolf Strickler am Strik by dem Essell" (1-30)
1564 Allmendgenosse Peter Strickler ist auf dem "Hasslenhof" (1-16)
1568 Im Urbar des Hauses Wädenswil wird ein Gut in der Schwanden vermerkt, das Rudolf Strickler "am Esel" gehört. (1-46)
1568 Sass Joerg Strickler "an der Fridhübsch". (1-72)
1634 Allmendrodel: Jagli Strickler "in Haslen" (1-16)
1636 Heinrich Strickler (1636-1711), Vater des Schulmeisters Strickler wird geboren. Heinrich Strickler hat einen Vetter gleichen Namens, der als Schulmeister "auf der Bellen" erwahnt wird. (5-11)
1656 Im Grundprotokoll: Urban Strickler, "by dem Sternen am Richtenschwylerberg" (1-49)
1657 Schuldbrief von Georg Strickler "uff der Bellen" (1-14)
1659 In einem Schuldbrief: "am Strick zum Sternen".
1669 Hans Strickler ist "Bilgeri-Schiffmann" in Richterswil (4b-53)
1671 Im Totenbuch: Urban Strickler "by dem Sternen" (1-49)
1679 Im Allmendrodel: Hans Jacob und Heinrich Strickler "uff der Bellen" (1-14)
1679 Im Allmendrodel: Hans und Hans Jacob Strickler "in der Huegsamm" (1-60)
1679 Im Pfarrbuch: Tod von Elisabetha Strickler, geborene Rellstab, "in Kabis" (heute "Neuheim") (1-36)
1688 Jakob Strickler, Schulmeister im Fellmis wird geboren (4a-59)
1691 Im Grundprotokoll: Heinrich Strickler "im Felldmaass" (1-20)


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Chronik von 1700 bis 1899

1711 Jakob Isler erwirbt die Hälfte des Hofes Ottensegel von Urech Strickler (3-8)
1711 Heinrich Strickler, Vater des Schulmeisters Jakob Strickler stirbt. (5-11)
1713 Die Mutter von Schulmeister Jakob Strickler (Verena, geborene Hauser 1647-1713) stirbt. Jakob Strickler teilt das Haus im Fellmis mit seiner Schwester Regula. Diese heiratet einen Heinrich Strickler, der dann ebenfalls in diesem Haus wohnt. Zeuge der Teilung ist Schulmeister Heinrich Strickler "auf der Bellen". (5-13/43)
1713 Schulmeister Jakob Strickler "im Fellmis" hält von 1713-1716 Schule in Stocken am Wedenschweilerberg (5-12)
1716 Schulmeister Jakob Strickler "im Fellmis" und Schulmeister Heinrich Strickler "auf der Bellen" müssen in Zürich ein Examen bestehen. Heinrich Strickler besteht nicht und muss aufhören, während Jakob Strickler von da an bis 1760 im Felmis Schule hält. (5-15)
1717 Schulmeister Jakob Strickler "im Fellmis" heiratet Regula Sennhauser aus Schönenberg (5-41)
1717 Schlosser Johann Strickler arbeitet am neuen Kirchenschiff in Richterswil mit. (4b-42)
1731 Der Schwiegervater von Schulmeister Jakob Strickler, Bernhard Sennhauser aus Schönenberg stirbt. Jakob Strickler erbt dieses Haus und verkauft es an einen Meister Jakob Strickler aus dem Horgenberg. (5-44)
1750 Ehestreit zwischen Heinrich Scherer im Oerischwand und seiner Frau Anna Strickler "aus der Blegi" und ihrem Vater Kaspar Strickler "in der Blegi" (5-36)
1757 In einer Antwort des Landvogts in Wädenswil an den Rat in Zürich: "Feur hauptmann Stricklers Brauerey zu Richtischwyl" (2-72)
1757 Jakob Strickler "in der Blegi" schuldet Schulmeister Jakob Strickler "im Fellmis" noch 5 verfallene Zinsen aus einem Schulvermächtnis (5-31)
1760 Vetter Hans Ruedeli (Strickler) in Boeschen schenkt dem Schulmeister Jakob Strickler "im Fellmis" 28 grosse Seekrebse, welcher dieser an Pfarrer Felix Vogler von Richterswil weitergibt (5-28)
1760 Schulmeister Jakob Strickler "im Fellmis" fertigt Im Auftrag des Landvogtes ein Bevölkerungsverzeichnis des Bergkreises von Richterswil an. (5-38)
1763 Am Weihnachtstag stirbt Schulmeister Jakob Strickler. Seine Tochter Barbara, das einzige seiner Kinder, welches die Kindheit überlebte, heiratet den Tischmacher Heinrich Rusterholz. (5-41/42/56/)
1795 Stirbt alt Landrichter Rudolf Strickler-Bachmann (1714-1795) auf Boeschen (3-27)
1799 Hans-Jacob Strickler bei der Saag (geb. 1770) kommt in seinem Haus durch eine Kanonenkugel um. (Krieg Franzosen gegen Russen und Österreicher) (4c-37)
1799 Ulrich Strickler bei der Saagen in der ersten Richterswiler Municipalitaet (4c-28)
1799 Jacob Strickler beim Sternen, als Forstaufseher in der Gemeinds-Kammer von Richterswil (4c-32)
1804 Alt Landtrichter Ulrich Strickler bey der Saag, Armenpfleger, wieder im Gemeinderat (4c-52)
1805 Allmendmeister Strickler nimmt die Wahl in den Gemeinderat nicht an (4c-54)
1823 Dorfwächter Heinrich Strickler in Richterswil (2-94)
1822 Johannes Strickler im Berg wird als Friedensrichter bestätigt (4d-11)
1831 Im Hüttner Gemeinderat: Heinrich Strickler, Bergli (Präsident) und Heinrich Strickler, Boeschen (3-30)
1831 Jakob Strickler im grünen Feld wird Bezirkswahlmann (4d-31)
1831 Tierarzt Strickler, junger, im Richterswiler Gemeinderat (4d-32)
1831 Im Grundprotokoll: Gemeinderat Jacob Strickler "Im Grünenfeld am Berg zu Richtenschweil" (1-30)
1840 Weinschenke "Zur frohen Aussicht" des Caspar Strickler (3-49)


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Quellenverzeichniss

In der Folge werden die Quellen abgekürzt. Die erste Zahl bezieht sich auf die Nummer der Quelle, die zweite auf die Seitenzahl. Beispiel: (1-49) Diese Abkürzung bezieht sich auf die Seite 49 im Buch "Richterswil im Spiegel seiner Flurnamen" von Kurt Wild.

(1) - Kurt Wild: Richterswil im Spiegel seiner Flurnamen, 1995, Verlag Druckerei AG, Richterswil
(2) - Kurt Wild: Alt-Richterswil, 1992, Verlag Buchdruckerei AG, Richterswil
(3) - Peter Ziegler: Hütten, 1987, Verlag Stutz + Co. AG, Wädenswil
(4) - Heinrich Peter: Aus der Ortsgeschichte von Richterswil, Verlag Buchdruckerei AG,Richterswil
(4a) - Band 1: 1975
(4b) - Band 2: 1975
(4c) - Band 3: 1980
(4d) - Band 4: 1983
(4e) - Band 5: 1985
(5) - Walter Hoehn-Ochsner: Aus dem Leben und Wirken des Schulmeisters Jakob Strickler, Buch- und Kunstdruckerei AG, Richterswil


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