Verhältnisse im Schulwesen


Die Schule wird obligatorisch
1831 nahmen die Zürcher Stimmberechtigten die neue Kantonsverfassung an, die als eine der wichtigsten Neuerungen das Obligatorium der Volksschule vorsah. Im Hirzel gab es nunmehr bereits drei Schulen (Kirche, Höchi und Spitzen) und also auch drei Lehrer - das war der neue Titel für die früheren „Schulmeister", eine Beförderung, die weiter nichts kostete. Von ihnen scheint Strickler der fleissigste und begabteste gewesen zu sein. Jedenfalls war er der einzige, der das neu eingeführte Visitationsbuch, in dem alle Schulbesuche des Pfarrers und der Mitglieder der neu gewählten Schulpflegen samt Bemerkungen über Lehrer und Anzahl der anwesenden Schüler eingetragen wurden, fehlerfrei anzuschreiben vermochte...

Die ersten Examenweggen [Examen-Brötchen] - für 123 Alltagsschüler
Die erneuerte Schule entwickelte sich offensichtlich sehr gut, nicht nur, was die Zahl der Schüler , sondern auch deren Leistungen anbetraf. Hauptsache war und blieb das Auswendiglernen, wo nach heutigen Begriffen Unglaubliches geleistet wurde. Am Ende des Schuljahres 1810/11 konnte Pfarrer Schweizer vermelden, dass von den mehr als 100 Repetierschülern insgesamt 1416 Texte - 959 Lieder, 257 neuen Lieder und 200 Seiten aus „Gessners Unterricht", auswendig gelernt worden waren... Hingegen müsse man „mit dem sittlichen Betragen der Knaben noch Geduld haben, bis es freier, edler, höflicher" werde. „Indes zeichnen sich einige Knaben und Töchter doch durch artige Sitten und stille Aufführung [Verhalten] aus".

Vom Examen der Alltagsschule (1. - 6. Klasse) berichtet Pfarrer Schweizer: „den 20. May wurde das Alltagsschüler-Examen in Gegenwart der hiessigen Stillstandsglieder [örtlichen Schulpflege] gehalten. Erst wurden die ABC, und Buchstabier-Kinder vorbeschieden [vorgenommen] und examiniert [Prüfung ablegen]. Dann wurden diejenigen, welche die 4 Hauptpunkte können, bhört [abgehört]. Auch diejenigen, die Lieder auswendig gelernt hatten. Dann die Leseübungen im Neuen Testament, in der Zeugniss, im Waserbüchli und Kinderfreund vorgenohmen, und das Gelesene grammatikalisch durchgegangen. Endlich die Uebungen im auswendig schreiben und rechnen.

Diese Alltags-Schüler-Kinder waren:"123, 67 Knaben und 56 Töchterli". Unter denen befanden sich 52 Kinder, die lesen und schreiben, und 12, die auswendig schreiben und rechnen konnten. Einige junge Kinder von 6 und 8 Jahren zeichneten sich sehr aus. Theils durch Lesen und Aufsagen schöner Lieder, theils durch schön schreiben.

Auf eine stillständliche [Schulpflege] Verordnung hin erhielte jedes Kind ein Weggli, die eigens gemacht wurden. Man fragt sich, wie es der Schulmeister damals schaffte, eine derartige Zahl von Schülern in einem einzigen Raum zu unterrichten. Zum Glück für ihn hatten die Eltern damals noch keinerlei Hemmungen, ihre Kinder bei jeder Gelegenheit zur Mitarbeit zu Hause zu behalten... Immer wieder musste sie der Pfarrer von der Kanzel herab ermahnen, ihre Kinder doch regelmässig zur Schule zu schicken - meist nur mit kurzfristigem Erfolg. Zum Examen erschienen sie dann aber offenbar alle - hauptsächlich wohl wegen der kleinen Belohnung, die ihnen von der Gemeinde verabreicht wurde. Ursprünglich waren das je nach Leistung abgestufte Geldgeschenke (5 bis 1 Schilling) gewesen; ab 1811 gab es dann, wie wir gesehen haben, für alle den noch heute existierenden Examenweggen ( der heute freilich nicht mehr derart beliebt ist wie damals...) Wegen der grossen Schülerzahl wurde das Examen jeweils in der Kirche abgehalten. 1812 erschienen dazu 113 Repetier- und 142 Alltagsschüler, die , wie es sich gehörte, vom Herrn Pfarrer ermahnt wurde, „weiter in ihrem Fleisse so fort zu fahren".


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