Ardennenschlacht


Am Morgen des 16. Dezember 1944 diente Oberstleutnant Strickler mit der 28. Division an der Front als Verwaltungsbeamter des 110. Infanterie-Regiments, welches eine 12 Meilen lange Verteidigungs-Stellung an der „ruhigen Front", der Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland, hielt. Plötzlich starteten die Deutschen ihren entscheidenden Ueberraschungsangriff, welcher bald als die Ardennenschlacht bekannt wurde. Das 110. Regiment war im Zentrum der Verteidigungslinie der Division längs des Flusses Our. Sie wurden von drei deutschen Divisionen unter Beschuss genommen, und Teile von zwei anderen Divisionen, deren Ziel es war, einen Durchbruch durch die allierten Abwehrlinien zu schlagen, eroberten Bastogne in der Nacht auf den 16. Dezember und verteilten sich hinter den allierten Kräften auf dem Vorstoss gegen Antwerpen. Zahlenmässig in hohem Masse unterlegen, focht die 110. Division aus kürzester Entfernung offene Feldschlachten gegen die vorrückenden deutschen Panzer, indem es tagsüber von starken Posten entlang der Verteidigungslinie entschiedenen Widerstand leistete. Die Verbindungen waren durch die deutsche Spionage und das Artielleriefeuer unterbrochen worden, sodass viele einzelne Kämpfe durch die voneinander getrennten Einheiten der 110. Division gefochten wurden. Mit dem Befehl, unter allen Bedingungen die Stellung zu halten, verlangsamten Stricklers Männer in heftigen Kämpfen auch während der Nacht und dem folgenden Tag den deutschen Vormarsch. Doch dann hatten grosse Kampfverluste und der erschöpfte Waffennachschub angesichts der übermächtigen deutschen Macht die Wirksamkeit der Verteidigung auf kleine Widerstandsnester reduziert.

Während des ersten Tages kam der Regiments-Verteidigungsposten in Consthum unter schweren deutschen Beschuss, welcher bis zum Morgen des 18. Dezember dauerte. Als der Munitionsnachschub versiegt war, wurde der Truppenrückzug angegangen. Strickler und seine kleine, noch übriggebliebene Streitmacht zog sich nach Wiltz, einem Knotenpunkt auf dem halben Weg nach Bastogne, zurück. Dort hatten sie den Befehl, den deutschen Vormarsch durch die Verteidigung der Stadt, welche als Kommandoposten der 28. Division gedient hatte, zu bremsen, während sich das Stabspersonal weiter zurückzog. Um die verbleibenden Kampftruppen zu ergänzen, zog Strickler eine Verteidigungsverband zusammen, welchem auch Köche, Büropersonal und Fahrer angehörten. Bald jedoch war Wiltz von deutschem Geschütz umzingelt und unter Feuer gesetzt worden. Schliesslich befahl Strickler den verbliebenen amerikanischen Truppen in der Nacht des 19. Dezember in kleinen Gruppen aufzubrechen und sich einen Weg zurück zu den alliierten Fusstruppen zu suchen. Sich während des Tags in den Wäldern versteckend, nachts sich auf den von Deutschen schwer bewachten Strassen fortbewegend und nach drei Tagen ohne Verpflegung trafen Strickler und zehn seiner Kameraden endlich auf die alliierten Linien. Die 101. Fliegertruppe hatte am Abend des 18. Dezember Bastogne besetzt, bevor es von deutschen Truppen ergriffen wurde, sodass die U.S. Verteidigungsposition festgehalten war, bis General Patton’s Streitkräfte Bastogne ein paar Tage nach Weihnachten befreiten.

Von den 3'300 Männern der 110. Divison blieben lediglich noch deren 500 nach der Ardennenschlacht. Strickler wurde als Schlachtfeld-Auszeichnung zum Oberst befördert und erhielt als Auszeichnung den Silbernen Stern. Er reorganisierte das Regiment, welches er weiterhin durch den Krieg kommandierte, in den Vogesen und mitten in Deutschland kämpfend. Im Frühling 1945 wurde er zum Militärkommandanten des Saarlandes ernannt. Dort war er verantwortlich für die Verpflegung und die Heimschaffung von 40'000 Russen und Osteuropäern, welche durch die Deutschen als Kriegsgefangene und als Sklavenarbeiter festgenommen worden waren.

Strickler war bei seinen Leuten bekannt für seine Furchtlosigkeit im Gefecht, für sein körperliches Durchhaltevermögen und dafür, dass er auch unter den mühsamsten Kampfbedingungen niemals nervös wurde. Er hatte gelernt, während des Tages kleine Nickerchen zu machen, sodass er nachts während den Bombardierungen und den Nachtkämpfen aufgeweckt war. Man konnte ihn oft mit seinen Männern marschieren sehen, gefolgt von seinem Fahrer mit dem Jeep. Sein Führungsstil unterscheidete sich von dem der meisten Kommandanten. Er zog es vor dort zu sein, wo der Kampf stattfand, wo er die Ereignisse beeinflussen konnte, anstatt sich im Kommandoraum im Hintergrund zu halten.

In ironischer Verbindung zu Stricklers eigener Erfahrung mit dem unerlaubten Entfernen von der Truppe im 1. Weltkrieg stand Eddie Slovik, ein Soldat unter seinem Kommando im 2. Weltkrieg: Im Oktober 1944 versuchte Stricklers Regiment, die Siegfried-Linie zu durchbrechen, als sich eine Ersatztruppe, darunter auch Soldat Slovik, bei ihm meldete, um an die Front befohlen zu werden. Als sie die Grenzkompanie erreicht hatten, desertierte Slovik in der Nacht vor einem geplanten Angriff. Er wurde durch die Militärpolizei aufgegriffen und zurück zum Regiments-Hauptquartier gebracht, wo ihn Strickler zurechtwies und ihn an die Front zurück beorderte, weil bei seiner Weigerung ein anderer seine Aufgabe zu übernehmen hätte. Strickler begleitete ihn zu einer Grenzkompanie, wo er einen Tag vor einem geplanten Angriff zwischen die kämpfenden Männer an der Front plaziert wurde. Als am nächsten Tag der Angriff gestartet wurde, desertierte Slovik zum zweiten Mal. Er wurde wieder aufgegriffen und vor Kriegsgericht angeklagt, welches ihn wegen Desertierens verurteilt wurde. General Eisenhower bestätigte das Urteil, welches auf Erschiessen durch Exekutionskommando lautete. Nach seinem Tod wurde Slovik in einem unbekannten Grab in Europa begraben. Er war der erste Soldat, welcher seit dem Bürgerkrieg diesen Tod starb.


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